• 24 FEB 15

    Der kindliche Knick-Plattfuß

    Einlagenversorgung beim kindlichen Knick-Plattfuß

     

    Einer der häufigsten Gründe, warum Eltern mit ihren Kindern in der kinderorthopädischen Sprechstunde vorstellig werden, ist die Frage nach Sinnhaftigkeit einer Einlagentherapie bei „Plattfüßen“.

    Häufig haben die Eltern selber während ihrer Kindheit Einlagen (z.B. aus thermoplastischem Kunststoff) getragen und sind nun besorgt, dass ihren Kindern ohne Einlagen ein Schaden entstehen könnte. Gelegentlich wurden bereits im Vorfeld durch den Orthopädietechniker sogenannte sensomotorische Einlagen empfohlen. Die Unsicherheit ist dann gelegentlich groß, wenn der Kinderorthopäde bei der Verordnung von Einlagen sehr zurückhaltend ist. Dieser Beitrag aus unserer Praxis soll helfen, sie als Eltern und ihre Kinder als Patienten aufzuklären.

     

    Kleinkinder weisen immer ein abgeflachtes Längsgewölbe am Fuß auf, was dem Laien als Plattfuß oder schlicht Einknicken erscheint. Dies ist zum einen physiologisch, zum anderen wird es aber auch durch das Fettpolster am Innenrand des Fußes vorgetäuscht, welches bei Kindern bis zum 2. Lebensjahr ausgeprägt vorhanden ist. Zudem weisen Kleinkinder auch eine verstärkte physiologische Einwärtsdrehung der Schenkelhälse an den Hüften auf, wodurch ein gewisses Einknicken des Fußinnenrandes bewirkt wird. Im weiteren Laufe des Lebens richtet sich das Fußgewölbe schrittweise auf und hat im Alter von 10 Jahren zumeist seine endgültige Ausprägung erreicht. Zehnjährige zeigen nur noch zu 10% das Bild eines Plattfußes. Daraus erschließt sich bereits, dass in den ersten Lebensjahren ein mehr oder weniger ausgeprägter Knick-Plattfuß normal ist und keiner Therapie bedarf, da er sich auch ohne Therapie in den meisten Fällen spontan korrigiert.

     

    Dass Kleinkinder bei längeren Spaziergängen gelegentlich Fußschmerzen beklagen, ist zudem nicht untypisch und meistens kein Ausdruck einer ernsthaften Fußproblematik.

    Ab dem Alter von 6 Jahren kann sich dann aber eine differenzierte Vorstellung beim in der Behandlung von kindlichen Fußproblemen erfahrenen Orthopäden lohnen.

    Wir untersuchen die Hüften, die Beine und den ganzen Fuß und prüfen wie sich das Fußlängsgewölbe bei unterschiedlichen Stellungen im Zehenspitzenstand und anderen klinischen Tests aufrichten kann. Daraus ergeben sich drei wesentliche Befunde:

     

    • Der physiologische kindliche Knick-Senk-Fuß
    • Der flexible kindliche Knick-Platt-Fuß
    • Der rigide oder neuromuskuläre Knick-Platt-Fuß

     

    Während der physiologische kindliche Knick-Senk-Fuß noch zu den Normalbefunden gezählt wird und keine Indikation für eine Einlagenversorgung darstellt, ist beim schmerzhaften flexiblen kindlichen Plattfuß eine Einlagenversorgung sinnvoll. Die Übergänge können fließend sein. Bei schweren neuromuskulären Plattfüßen kommt eine dynamische Fuß Sprunggelenksorthese zur Anwendung, rigide Plattfüße müssen teilweise operativ korrigiert werden.

     

    Die Schwierigkeiten entstehen zum Teil daraus, dass der Nutzen der Einlagenversorgung beim Kind wissenschaftlich bisher unzureichend untersucht worden ist. Einlagen sind geeignet symptomatische Fußbeschwerden bei Kindern zu verbessern.

    Einlagen mit sensomotorischem Design scheinen in Untersuchungen mittels Ganganalyse eine Verbesserung des kindlichen Knick-Plattfußes zu bewirken, solange die Einlage getragen wird. Betont werden muss aber, dass bisher nicht gezeigt werden konnte, dass durch das Tragen von Einlagen das weitere Wachstum des Fußes in irgendeiner Form beeinflusst werden kann. Dies gilt auch für sensomotorische Einlagen, die wesentlich teurer sind als herkömmliche korrigierende Schaleneinlagen nach Gipsabdruck aus Kunststoff. Eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ist daher in den meisten Fällen nicht gegeben.

    Weitere Informationen erhalten Sie in der Praxis für Orthopädie